Kampfpanzer M1 Abrams
Geschichte, Entwicklung und Einführung

 
Der M1 hat den selben Ursprung wie der deutsche "Leopard II". Nach scheitern des deutsch-amerikanischen "MBT 70", böse Zungen behaupten, es diente, wie so viele dieser Projekte vorher auch, dazu, die deutsche Rüstungsindustrie auszuspionieren, entschloss man sich zur Neuentwicklung XM1. Die größte Neuerung im amerikanischen Panzerbau war wohl der erstmalige Einsatz einer Gasturbine in einem amerikanischen Kampfpanzer. Dazu entschloss man sich, nachdem man die möglichen Verbesserungen zukünftiger Turbinenentwicklungen mit einem Standartdieselaggregat der 70-er Jahre verglich.

Entwicklungspotentiale von Dieselmaschinen wurden nicht bedacht. Zwar bestechen Turbinen durch ein hervorragendes Masse-Leistungs-Verhältnisse, aber sie sind relativ störanfällig, "durstig" und haben eine sehr hohe Betriebstemperatur und damit eine entsprechend hohe Emission an thermischer Energie. Der M1 verfügt über ein Stützrollenlaufwerk mit 7 Laufrollen. Der Fahrer sitzt mittig vor dem Turm. Durch die Verwendung einer Gasturbine wird sehr wenig Platz für den Triebwerksraumbenötigt, weshalb der Turm in die Mitte der Wanne rückt. Dies führt zu einem besseren Schwerpunkt und stellt mehr Raum für Besatzung und Munition bereit. Durch die flache Anordnung des Fahrers, der sich fast in einer liegenden Position befindet, konnte die Höhe der Wanne erheblich verringert werden. Als Hauptbewaffnung entschied man sich für die bewährte 105-mm Kanone M68E1 aus dem M60. Zu den, bei modernen KPz. obligatorischen zwei MGs kommt beim M1 noch ein 12,7 mm FlaMG für den Kommandanten. Dieses entspricht schon eher der Bezeichnung "Fliegerabwehr-MG". Die Panzerung des M1 bestand, den Ergebnissen der arabischen Kriege zum dank, aus einer Mehrschichtpanzerung, ähnlich der britischen "Chobham". Der erste M1 wurde 1980 in den Truppendienst übernommen. Ab Oktober 1984 wurde eine verbesserte Version "Improved M1" in einer Gesamtauflage von 894 Stück produziert. Die Hauptneuerung bestand in einer verbesserten Panzerung. Im Jahre 1985 wurde die Produktion auf das neuere Modell M1A1 umgestellt. Die beiden wesentlichen Neuerungen waren der Einbau einer von RHEINMETALL entwickelten und in den USA unter der Bezeichnung XM256 in Lizenz gefertigten 120-mm Kanone , welche schon vom "Leopard II" bekannt war und hier ihre Zuverlässigkeit schon bewiesen hatte. Dazu musste der Turm völlig umkonstruiert werden, was sich in einer größeren Fahrzeughöhe und Gesamtmasse niederschlug. Weiter Neuerungen waren eine Brandunterdrückungsanlage sowie eine ABC-Schutzanlage. Vor allem der Schutz vor Massenvernichtungswaffen wurde bis dahin oft vernachlässigt und man erwartete von seinen Soldaten die Erfüllung des Kampfauftrags unter Vollschutz im Fahrzeug. Nicht nur das der Panzer dadurch im Inneren völlig kontaminiert wurde, es ist einfach nicht möglich, länger unter einer Schutzmaske zu verbringen und dabei noch zu kämpfen. Dies erkannte man in den 80‘er Jahren auch endlich in den USA und rüstete die Fahrzeuge mit entsprechenden Anlagen nach. Die M1 Besatzungen hatten dabei noch Glück, da sie mit einem Überdrucksystem ausgestattet wurden, welches ihnen ein völlig normales Arbeiten ohne zusätzliche Schutzausstattung erlaubt. Beschussversuche mit der neuen Kanone hatten die extrem hohe Leistungsfähigkeit, vor allem in Verbindung mit den unterkalibrigen Wuchtgeschossen unter Beweis gestellt. Ein daraus resultierendes Ergebnis war, dass man die vorhandene Panzerung für nicht ausreichend erachtete und über Maßnahmen der Verbesserung nachdachte. Das Ergebnis war die Anbringung einer als DU (depleted uranium) bezeichneten Schicht aus abgereichertem Uran. Diese ab 1988 hergestellten Panzer erhielten die Bezeichnung M1A1 HA (heavy armour), wobei einige Modelle zusätzlich mit reaktiven Panzerungsmodulen ausgerüstet wurden und die Bezeichnung M1A1 HC (heavy armour common) erhielten. Warum man, trotz der, nach offiziellen Angaben, so überragenden DU-Panzerung die Anbringung von Reaktivpanzerung vorsieht ist unbekannt. Zu erwähnen wäre auch noch, dass die USA vergeblich versuchten, von Deutschland das System der Zusatzpanzerung des Leopard 2A5 für ihren M1 zu erwerben. Ein sehr großer Nachteil aller bisherigen M1 Modelle war das Fehlen eines Rundsichtperiskops für den Kommandanten. Es ist ihm daher nicht möglich, unabhängig vom Richtschützen Ziele auf sehr große Entfernung aufzuklären und/oder zu bekämpfen. Dies ist auf dem modernen Gefechtsfeld ein sehr großer Nachteil. Im Jahre 1992 folgte der M1A2, welcher endlich ein solches Rundsichtperiskop für den Kommandanten besaß. Dadurch kam der M1 endlich auf eine Stufe mit dem einige Jahre vorher eingeführten deutschen KPz. "Leopard II". Seither wurden 62 KPz. M1A2 für die US Army produziert und 1069 M1A1 erhielten ein update auf den neuen Standart. Diese neue Version kann auch als digitalisiert bezeichnet werden. Fast alle analogen Anzeigen wurden entfernt und durch Integrated Displays ersetzt. Die einzelnen Stationen und Systeme des Panzers sind über einen MIL Standart-1553-Datenbus miteinander verbunden. Zum Datenaustausch zwischen einzelnen Panzern und/oder angeschlossenen oder übergeordneten Verbänden, verfügt der M1A2 über ein IVIS (Inter-Vehicular Information System). Dieses erlaubt die Darstellung von eigener und Feindlage auf einem Display. Diese Daten können ständig von jeder angeschlossenen Einheit benutzt und aktualisiert werden. Dadurch erhält man eine sich ständig den aktuellen Zuständen auf dem Gefechtsfeld anpassende Lageorientierung und die Führung des Feuerkampfes wird erheblich erleichtert. Entfernungen zu vom Richtschützen anvisierten Zielen werden automatisch auf dem Commander’s Integrated Display dargestellt. Die Navigation erfolgt nun über ein GPS basierendes POSNAV System. Der Fahrer kann sich auf seinem Drivers Integrated Display bis zu 99 Wegpunkte, sowie einen Kompass darstellen lassen und so ohne genaue Geländekenntnisse selbstständig navigieren. Das der M1 ein sehr guter Panzer ist, hat er im Golfkrieg gezeigt. Durch den massierten Einsatz von Kampfpanzern auf engstem Raum, in einem sehr flachen und wenig Deckung und Möglichkeiten einer ausgebauten Verteidigung bietenden Gelände, wurden die irakischen Streitkräfte sehr schnell überrannt. Zum besseren Schutz wurden an der Panzerfront einiger M1A1, sowohl an Wanne als auch am Turm Reaktivpanzerungsmodule angebracht. Die Zahlen über die Verluste der Amerikaner sind sehr verschieden, fest steht nur, dass es sowohl durch irakische Panzer wie auch durch "friently fire" zu einigen Verlusten gekommen ist. Der Hauptgegner der amerikanischen Panzer war der T-72 in den Versionen T-72M1 und T-72M2. Die M1 eröffneten oft das Feuer auf Entfernungen über 3000 m auf die irakischen Panzer. Dabei wurde fast ausschließlich KE Munition verschossen, wobei sich beim Einsatz von MZ Munition keine Unterschiede zeigten. Beide Munitionssorten durchschlugen die gegnerischen Panzerungen ohne Probleme. Es gibt mindestens 7 Fälle, in denen M1A1 von irakischen Panzergranaten auf Entfernungen unter 1000 m frontal getroffen wurden. Dabei gelang es keiner der von einem der T-72 abgefeuerten KE die M1 Panzerung zu durchdringen oder auch nur irgendeinen irreparablen Schaden oder Verluste zu verursachen. Als sehr großer Nachteil des M1 erwies sich die Turbine. Der Verbrauch unter Gefechtsbedingungen erwies sich als extrem hoch. Etwa alle 60 km musste nachgetankt werden, was etwa einem Verbrauch von30 l/km entspricht. Bedacht werden muss dabei aber auch, dass die Panzer teilweise recht lange Stehzeiten hatten, bei denen aber alle Systeme aktiviert blieben. Zur Stromerzeugung musste das Triebwerk laufen. Später wurden Notstromaggregate nachgerüstet. Ein weiteres Problem war der hohe Luftdurchsatz der Turbine, durch den teilweise die Luftfilter überlastet wurden und es zu Triebwerksausfällen kam. Über 8.000 M1 aller Versionen wurden bisher für die US Army und das Marine Corps hergestellt. Nach dem Golfkrieg orderten Saudi Arabien und Kuwait ebenfalls diesen Panzer. Der "Leopard II" war bei diesen Geschäften auch in der Auswahl, schied aber wegen Exportbeschränkungen frühzeitig aus.

 


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